Jahresbericht 2020
Förderung der Bienenhaltung

Imker finden in Bayern eine hervorragende Infrastruktur aus kostenloser Beratung und Wissenstransfer, unabhängiger Forschung und finanzieller Förderung vor. Dank dieser Maßnahmen steigt die Zahl der Imker in Bayern, erfreulicherweise sind darunter auch viele Jugendliche und Frauen.

Die Fördermaßnahmen in Bayern sollen dafür sorgen, dass es Bienen und Imkern bei uns gut geht. Vor dem Hintergrund der Bedeutung der Biene für unsere Ökosysteme generell und die Landwirtschaft im Besonderen fördert Bayern mit eigenen und EU-Mitteln das Halten von Bienen.

Die Zahl der Bienenvölker liegt in Bayern derzeit bei rund 258 000 - mehr als ein Viertel der deutschen Imker und Bienenvölker. Damit ist die Gesamtzahl aller in den bayerischen Imkerlandesverbänden organisierten Mitglieder auf 41 000 Imkerinnen und Imker angewachsen. Das sind 30 % mehr Imkerinnen und Imker als noch im Jahr 2013. Rund ein Drittel der neu registrierten Imker sind mittlerweile Frauen. Die überwiegende Mehrheit imkert in der Freizeit. Weniger als ein Prozent der Imker sind Erwerbsimker.
Das Jahr 2020 war in Deutschland mit einem Ertrag von über 30.000 Tonnen ein durchschnittliches Honigjahr. In Bayern konnte mit durchschnittlich 21,1 kg/Volk der Ertrag aus dem Jahr 2019 nicht ganz erreicht werden. Es wurde im Jahr 2020 ca. 10 kg/Volk weniger geerntet als im Jahr 2018.
Für den Nachwuchs sorgen
In Deutschland sind etwa 2 000 Imker im Alter von unter 18 Jahren registriert. Davon sind über ein Viertel in Bayern beheimatet. Dies ist ein deutlicher Erfolg der gemeinsamen Anstrengungen von Imkervereinen und der finanziellen Unterstützung des Freistaates Bayern zur imkerlichen Nachwuchsgewinnung.
Der ökologische Wert der Honigbiene ist enorm. Nahezu 80% der Kulturpflanzen sind auf die Insektenbestäubung angewiesen. Im Obstanbau übernehmen die Bienen sogar rund 90% der Bestäubung. Allein die Wertschöpfung der Honigbienenbestäubung im Nahrungspflanzenanbau wird mit 1,6 Milliarden Euro auf das bis zu 13-fache des direkten Nutzens (Honig und alle anderen Bienenprodukte zusammen) geschätzt. Auch im Ackerbau steigert Bienenflug den Ertrag, beispielsweise im Raps (Mehrertrag von ca. 10 dt pro ha) und bei Sonnenblumen (Mehrertrag ca. 8 dt pro ha). Viele Wildpflanzen sind zudem auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen, sie sind ein essenzielles Element in unserem Ökosystem.
Biene auf einer gelben Blüte
Lebensraum für Insekten schaffen
Der volkswirtschaftliche Nutzwert der Honigbiene liegt in Deutschland bei etwa zwei Milliarden Euro. Damit ist die Biene nach Rindern und Schweinen das drittwichtigste Nutztier. Die Politik hat bereits einiges angestoßen: Mit dem Blühpakt Bayern, der deutschlandweit ersten Wildlebensraumberatung, dem Aktionsprogramm Insektenschutz und Förderprogrammen, die dazu führen, dass bereits heute jeder zweite bayerische Landwirt freiwillig an Agrarumweltmaßnahmen teilnimmt.
Ziel der Förderung der Bienenhaltung in Bayern ist insbesondere die Verbesserung der Erzeugungs- und Vermarktungsbedingungen für Bienenzuchterzeugnisse. Die starke Nachfrage zeigt, dass das Förderangebot in hohem Maße den Bedürfnissen der Imker entspricht.

Fördermaßnahmen in Bayern

Biene auf einer Storchschnabelblüte
Die Förderung basiert auf der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 und der jeweils gültigen Fassung der Richtlinie zur Förderung der Bienenhaltung, insbesondere zur Verbesserung der Erzeugungs- und Vermarktungsbedingungen für Bienenzuchterzeugnisse, Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Die Europäische Union beteiligt sich mit bis zu 50% an den beihilfefähigen Ausgaben - sogenannte kofinanzierte Maßnahmen. Darüber hinaus können die Mitgliedsstaaten nach bestimmten Vorgaben weitere Maßnahmen anbieten, die ausschließlich mit Landesmitteln finanziert werden (Landesmaßnahmen).

Das Bienen-Team im Kompetenzzentrum für Förderprogramme in Marktredwitz arbeitet mit dem Institut für Bienenkunde und Imkerei der LWG mit seinen Fachberatern und mit ehrenamtlichen Unterstützern zusammen.

Möglichst viele Imker sollen Bienen halten, um die
flächendeckende Bestäubung in Bayern zu gewährleisten.
=> Investive Maßnahmen, Imkern auf Probe, Imkern an Schulen

Bienenvölker sollen gesund, friedlich und leistungsstark sein.
=> Fortbildung der Imker durch Vereine, Standbesuche, Belegstellen

Wer Bienen hält, soll die Bedürfnisse der Bienen kennen.
=> Investive Maßnahmen, Fortbildung der Imker durch Vereine, Öko-Imkern

Das Prinzip der Regionalität soll gestärkt werden (Aus der Region, für die Region).
=> Fortbildung der Imker durch Vereine

Der Nachfrage nach heimischem Bio-Honig soll entsprochen werden.
=> Fortbildung der Imker durch Vereine, Öko-Imker

Das Fördervolumen wurde im Jahr 2020 wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen bei 875.000 Euro ausgebremst.Zoombild vorhanden

Fördervolumen

Fördervolumen
Das Fördervolumen ist seit 2010 stetig gestiegen und wurde im Jahr 2020 wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen erstmals bei 875.000 Euro ausgebremst. Es handelt sich um direkte Zuwendungen an die Imker. Die Kosten für die staatliche Fachberatung, für die Analysen und die Forschung sind hier nicht eingerechnet. Im Förderjahr 2017 wurde für die Abwicklung der Förderung ein zweistufiges Verfahren eingeführt, das heißt bereits vor dem Bewilligungszeitraum muss ein Förderantrag und nach Abschluss der jeweiligen Maßnahme ein Zahlungsantrag gestellt werden. 2020 bot Bayern insgesamt sieben Fördermaßnahmen zur Unterstützung der Bienenhaltung an.
Fördervolumen 2020 - tabellarischer Überblick
Fördervolumen 2020 - tabellarischer Überblick
Summe874.870,93 €
Investive Maßnahmen388.920,93 €
Fortbildungen84.720,00 €
Bienenbelegstellen80.098,00 €
Standbesuche24.732,00 €
Imkern auf Probe203.100,00 €
Imkern an Schulen41.100,00 €
Öko-Imkern52.200,00 €

Zwei EU-kofinanzierte Maßnahmen:

Investive Maßnahmen der Imker

Am Entdeckelungsgerät wird die dünne Wachsschicht auf den Honigwaben entferntZoombild vorhanden

Entdeckelungsgerät

Honig ist ein naturbelassenes und sehr reines Lebensmittel. Um wirtschaftlich und hygienisch einwandfrei produzieren zu können und um einen hohen Qualitätsstandard zu erreichen, sind hochwertige Geräte zur Honig- und Wachsgewinnung nötig. Mit der Anschaffung moderner Gerätschaften wird zudem häufig eine erhebliche Minderung der körperlichen Belastung und ein Beitrag zur Zeiteinsparung erzielt. Daher unterstützt der Freistaat Bayern die Bienenhalter mit Zuschüssen zur Anschaffung der Geräte zur Honig- und Wachsgewinnung.
In der Honigschleuder wird der Honig aus den Waben geschleudertZoombild vorhanden

Honigschleuder

Das Mindest-Investitionsvolumen beträgt 800 Euro netto, Anfänger der Imkerei erhalten bereits ab einem Mindest-Investitionsvolumen von 400 Euro netto eine Zuwendung. Die Förderung beträgt bis zu 30 Prozent der förderfähigen Netto-Anschaffungskosten. Im Jahr 2020 wurde 741 Imkern eine Zuwendung für investive Maßnahme ausgezahlt. Dies entspricht fast der gleichen Anzahl an Imkern gegenüber dem Vorjahr bzw. einer Steigerung von ca. 45 Prozent gegenüber 2016. Mehr als ein Drittel der Zuwendungsempfänger sind Imker-Anfänger. Im Durchschnitt wurden fünf Gerätschaften mit mehr als 520 Euro gefördert.
Das Fördervolumen war in der investiven Maßnahme im Jahr 2020 mit über 388.000 Euro so hoch wie nie zuvor.
Auch im Jahr 2020 konnte, trotz der hohen Nachfrage, mit 30,0% der Nettokosten der maximale Fördersatz (30%) bewilligt werden.
Das Fördervolumen war in der investiven Maßnahme im Jahr 2020 mit über 388.000 Euro so hoch wie nie zuvor.

Fördervolumen

Auch im Jahr 2020 konnte der maximale Fördersatz bewilligt werden.

Förderquote

Antragszahlen sanken gegenüber dem Vorjahr minimal

Antragszahlen

Fortbildungen für Imker durch Vereine

Fortbildungen Zoombild vorhanden

Fortbildungen

Eine wichtige Aufgabe der Imkervereine ist es, den Mitgliedern Fortbildungen anzubieten, die den aktuellen Wissensstand widerspiegeln. Die Nachfrage hat sich in den letzten Jahren auf hohem Niveau stabilisiert. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie gab es im Jahr 2020 jedoch einen Einbruch der Fortbildungen um etwa 60%. In Zukunft werden auch online-Veranstaltungen gefördert.
Für entsprechende Schulungen mit qualifizierten Referenten erhalten die Imkervereine einen gestaffelten, teilnehmerorientierten Zuschuss. Im Jahr 2020 wurden 574 Veranstaltungen mit einer Summe von 84.720 Euro gefördert. An diesen Veranstaltungen nahmen fast 20.000 Personen teil. Im Durchschnitt erhielten Imkervereine für jede durchgeführte Fortbildung rund 148 Euro.

Fünf nur mit Landesmitteln finanzierte Maßnahmen:

Förderung der Belegstellen

Im Jahr 2020 wurden für die Züchtung von Bienenvölkern rund 80.000 Euro ausgezahlt.Zoombild vorhanden

Belegstellen

Bienenvölker sollen gesund, friedlich und leistungsstark sein. Deswegen unterstützt der Freistaat Bayern staatlich anerkannte Belegstellen bei der Züchtung von Bienenvölkern, die in besonderem Maße diesen Anforderungen entsprechen. Die Belegstellen erhalten für jede angelieferte Bienenkönigin einen Zuschuss von zwei Euro.
Im Jahr 2020 wurden für die Züchtung von Bienenvölkern rund 80.000 Euro ausgezahlt. Die Verdoppelung der Zuwendung von 2017 nach 2018 ist die Folge der Erhöhung des Zuschusses von einem auf zwei Euro je Bienenkönigin.

Standbesuche durch Bienensachverständige (BSV)

 Im Jahr 2020 wurden für Standbesuche durch staatlich anerkannte Bienensachverständige knapp 25.000 Euro ausgezahlt. Zoombild vorhanden

Fördervolumen Standbesuche

Bienensachverständige besuchen die einzelnen Imker vor Ort und unterstützen diese und die Veterinärverwaltung ehrenamtlich bei der Bekämpfung von Bienenkrankheiten, z.B. der amerikanischen Faulbrut. Dafür erhielten die BSV im Jahr 2020 vom Freistaat Bayern einen Zuschuss von 4,00 Euro je betreutem Bienenvolk. Für jeden Standbesuch wurden mindestens 40 Euro und max. 80 Euro bezahlt. Im Jahr 2020 wurden für Standbesuche durch staatlich anerkannte Bienensachverständige knapp 25.000 Euro ausgezahlt.

Imkern auf Probe – Schnupperkurs Imkern

Die Maßnahme "Imkern auf Probe" trägt dazu bei, Menschen für die Bienenhaltung zu begeistern. Mit dem Imkern auf Probe können Interessenten unverbindlich in die Imkerei hineinschnuppern.
Imker zeigt Bienen auf einer vollen Wabe
Voraussetzung ist der Besuch eines Theoriekurses (auch online möglich) und die eigenständige Betreuung eines Bienenvolkes. Personen, die sich für die Bienenhaltung interessieren, wenden sich an einen Imkerverein und werden Imker auf Probe. Im Laufe der Monate erhalten sie unter fachlicher Anleitung eines erfahrenen Imkers (Pate) Einblick in die theoretischen und praktischen Grundlagen der Imkerei. Nach Ablauf des ersten Jahres kann ein weiteres, förderfähiges Probeimkerjahr absolviert werden. Nach zwei Jahren endet die Probezeit.
Die Anzahl der Probeimker hat sich wegen Kontaktbeschränkungen im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert.Zoombild vorhanden

Probeimkern

Seit 2008 werden Imkervereine, die das Imkern auf Probe anbieten und damit den Imkernachwuchs fördern, mit 100 Euro je Probeimker gefördert. Die Zahl der Probeimker steigt seit 2008 kontinuierlich an, dabei sind etwa ein Drittel der Teilnehmer Frauen. Die Imkervereine haben 2020 über 2.000 Probeimkern die Bienenhaltung nähergebracht und wurden dabei mit Zuschüssen vom Freistaat Bayern in Höhe von mehr als 200.000 Euro unterstützt. Die Anzahl der Probeimker hat sich wegen der Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert.

Imkern an Schulen - Imkern macht Schule

Schüler und Lehrer am BienenstandZoombild vorhanden

Imkern macht Schule

Auch Imker brauchen Nachwuchs. Deshalb liegt es nahe, bereits Schulkinder an die Bienenhaltung heranzuführen und sie für die Imkerei zu begeistern. Immer mehr Schulen bieten entsprechende Wahlkurse an. Kinder und Jugendliche werden durch die Betreuung eines Bienenvolkes für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und den großen ökologischen Wert der Bienen und Bestäuber sensibilisiert. Die Schülerinnen und Schüler lernen in der Arbeitsgruppe Imkerei alle Arbeiten rund um das Bienenjahr kennen.
Dieses Engagement wird vom Freistaat Bayern mit einem Zuschuss von 300 Euro pro Schuljahr unterstützt. Antragsberechtigt sind alle bayerischen Grund-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien (Unter- und Mittelstufe). Im Jahr 2020 wurden 137 Schulen mit insgesamt 41.100 Euro gefördert. Dies entspricht einer Steigerung von 10% gegenüber dem Vorjahr.

Öko-Imkern

Damit ein Lebensmittel das Öko-Siegel tragen darf, muss es besondere Qualitäts-Standards erfüllen. Bienenhalter, die ihre Imkerei-Produkte mit dem Öko-Label kennzeichnen dürfen, unterziehen sich regelmäßiger Kontrollen gemäß der EG-Öko-Verordnung (EU) 2018/848. Seit 2014 erhalten sie für diesen Mehraufwand einen pauschalen Zuschuss in Höhe von 200 Euro pro Jahr.
2020 wurden 261 Imker mit einer Summe von insgesamt 52.200 Euro unterstützt. Dies entspricht einer Steigerung von fast 50% zum Vorjahr. Darüber hinaus betreiben zahlreiche Imker ihre Imkerei nach den Regularien der gültigen EG-Öko-Verordnung, erhalten aber bereits im Rahmen des bayerischen Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) eine Förderung für die Öko-Zertifizierung.

Ausblick

Im Gegensatz zu den seit Jahren steigenden Antragszahlen sind im Jahr 2020 wegen der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen die Antragszahlen bei den Fördermaßnahmen „Fortbildungen für Imker durch Vereine“ und " Imkern auf Probe" eingebrochen. Es ist davon auszugehen, dass die Inanspruchnahme, insbesondere bei Fördermaßnahmen, die einen engen persönlichen Kontakt voraussetzen, auch im Jahr 2021 rückläufig ist. Jedoch dürfte sich dieser Rückgang durch zunehmende online-Formate und nach Lockerung der Kontaktbeschränkungen rasch aufheben. Bei den anderen Maßnahmen gehen wir von stabilen oder leicht steigenden Antragszahlen aus.

Ansprechpartner
Abteilung Kompetenzzentrum Förderprogramme
Sachgebiet K 3 - Produktbeihilfen
Reinhold Kräckl
Tomas Rödel, Ingrid Reichert, Patricia Wolf
E-Mail: komzf@fueak.bayern.de

Quellen

  • Deutscher Imkerbund - Mitgliederstatistik Externer Link
  • Fachzentrum Bienen und Imkerei Rheinland-Pfalz Externer Link
  • • Ökonomische Analyse des Imkerei-Sektors in Deutschland: Untersuchung der Universität Hohenheim, Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre, 2017
  • Der praktische Imker: Lehrbuch der rationellen Bienenzucht von C. J. H. Gravenhorst
  • Bestäubungsleistung der Honigbiene, Doktorarbeit, Dipl-Ing. Dr. Stefan Mandl, Universität für Bodenkultur, Wien, 2006
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – PM 15.09.2008

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