Verwaltungsinformatiker an der Führungsakademie
Duales Studium für den IT-Nachwuchs

Notebook und Tablet auf einem Tisch, dahinter Person, die Smartphone hält

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Ohne Informatik geht heute nichts mehr. Gerade in der Landwirtschaftsverwaltung laufen viele Aufgaben EDV-gestützt ab. Die Auszahlung der EU-Fördermittel ist ohne Fachpersonal aus dem IT-Bereich nicht zu bewältigen. Um diese Fachleute konkurriert der Öffentliche Dienst mit finanzkräftigen Unternehmen und hat oft das Nachsehen dabei. Stellen im IT-Bereich können nur schwer besetzt werden. Bereits seit 2001 setzt die Verwaltung auf ein duales Studium, wie man es aus der Finanzverwaltung oder Rechtspflege kennt.

Die angehenden Diplom-Verwaltungsinformatikerinnen oder -informatiker studieren und sind bereits Beamte auf Probe mit Anwärtergehalt und Jobgarantie. Auch an der Staatlichen Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (FüAk) besteht ab 2017 wieder die Möglichkeit zu diesem Studium.
Die Aufgaben der Führungsakademie im Bereich Information und Kommunikation sind sehr breit gefächert und entsprechend vielfältig auch die Einsatzgebiete für Informatiker: Sie administrieren die Schulanlagen an den Landwirtschaftsschulen in ganz Bayern, programmieren Anwendungen zur Agrarförderung und unterstützen mit ihrer Qualifikation dabei, dass die über 100 000 Landwirte in Bayern pünktlich und reibungslos ihre EU-Leistungen erhalten. Umso problematischer ist es, wenn aufgrund der schwierigen Bewerberlage Stellen nicht besetzt werden können. Diese Lücke füllen zunehmend Diplom-Verwaltungsinformatiker, die speziell für die Bedürfnisse der Informationstechnologie in der Verwaltung ausgebildet sind.
"Verwaltungsinformatik? Nie gehört."
Martina Gillhuber ist eine dieser Verwaltungsinformatikerinnen. Sie ist seit Januar 2016 an der FüAk und wundert sich immer wieder, dass ihr Studiengang so unbekannt ist. Dabei ermöglicht gerade die enge Verbindung der Informatik mit Studieninhalten im Verwaltungshandeln, wie z. B. Datenschutzrecht, Verwaltungsorganisation, Wirtschaftsführung in der öffentlichen Verwaltung oder Beschaffung von IT-Leistungen, ein gründliches Verständnis für die Aufgaben in der Verwaltung. Die geborene Ampfingerin, die seit dem Frühjahr in Landshut wohnt, hat sich bereits während ihrer gymnasialen Oberstufe als Verwaltungsinformatikerin beim Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beworben. Das Studium an der Hochschule in Hof dauert drei Jahre, wobei sich Verwaltungswissenschaft, Informatik und einschlägige Praktika abwechseln.
Theorie und Praxis ergänzen sich optimal
Gillhuber hat ihre Praktika im Landwirtschaftsministerium in München absolviert und konnte zusätzlich für je zwei Wochen die Arbeitsbereiche der IT an der Führungsakademie und am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Töging kennenlernen. Gerade diese Praktika zwischen den Studienphasen haben die Informatikerin im Nachhinein überzeugt: "Man sieht immer wieder konkret, wofür man die Theorie gebrauchen kann, und weiß so relativ genau, woran man später einmal arbeiten wird." Während des Praktikums am AELF in Töging bekam sie Einblicke in die Systemintegration und arbeitete bei der Installation der Schulanlage für die Landwirtschaftsschule sowie der Administration von PCs mit. Im großen Praktikumsabschnitt am Landwirtschaftsministerium bearbeitete sie ein eigenes Projekt in der Anwendungsentwicklung. In Java hat sie ein Berechnungsprogramm für den KULAP-Nährstoffsaldo programmiert. Mit dieser Anwendung überprüft der Sachbearbeiter an einem Landwirtschaftsamt, ob ein Landwirt die im Kulturlandschaftsprogramm vorgeschriebenen Stickstoffobergrenzen einhält. Das webbasierte Kalkulationsprogramm liefert Daten für die Abrechnung und unterstützt die Beratung am Amt. "Die Anwendungsentwicklung hat mir am besten gefallen, deshalb bin ich nach Studienende auch in der Java-Programmierung geblieben", so Gillhuber. An der FüAk arbeitet sie derzeit an der Modernisierung der Betriebsdatenbank, in der neben Adressdaten auch Eigenschaften und Kompetenzen aller landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern gespeichert sind.
Informatik studieren als Beamter
Voraussetzung für das duale Studium zum Diplom-Verwaltungsinformatiker bzw. zur Diplom-Verwaltungsinformatikerin ist die Fachhochschul- oder Hochschulreife. Interessenten müssen außerdem in Mathe, Deutsch und Englisch mindestens die Note drei haben und erfolgreich an einem IT-Eignungstest teilnehmen. Wer diese Hürden genommen hat und sich in einem Vorstellungsgespräch bei der einstellenden Behörde bewährt, beginnt direkt als Anwärter zu studieren mit einem Anwärtergehalt von Anfang an. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums steht der Übernahme ins Beamtenverhältnis auf Probe bei der Einstellungsbehörde nichts mehr im Wege. "Ich musste mir nach meinem Studium keine Sorgen machen, einen Job zu finden, sondern habe ganz im Gegenteil während des Studiums schon sehen können, welche Tätigkeiten zu meinem Beruf gehören", fasst Gillhuber die Vorzüge zusammen.
Wer Interesse an einem Studium zum Diplom-Verwaltungsinformatiker hat, erhält weitere Infos online. Auf der Website für Verwaltungsinformatiker finden Interessenten die Termine für die Einstellung 2017 und zum IT-Eignungstest, der jährlich Mitte Januar bzw. Mitte April stattfindet.

www.verwaltungsinformatiker.de Externer Link


Informationen erteilt auch Martina Gillhuber an der Führungsakademie:
E-Mail: poststelle@fueak.bayern.de