4. Landshuter Führungsgespräche
Führen auf Augenhöhe und Geschichten erzählen

Drei Personen, Referenten und Präsidentin, vor dem FüAk-Roll-up.

34 Behördenleiterinnen und Behördenleiter aus Landshut sowie Leiterinnen und Leiter der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) aus ganz Bayern haben am 30. Oktober 2018 am bereits 4. Landshuter Führungsgespräch an der Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (FüAk) in Landshut teilgenommen.

FüAk-Präsidentin Ingeborg Bauer wertete die Führungsgespräche als wichtiges behörden- und verwaltungsübergreifendes Forum für Austausch und Weiterbildung in Führungsfragen.
Zwei hauseigene Dozenten führten durch den Nachmittag
Dieses Jahr präsentierten erstmals ausschließlich Dozenten aus dem eigenen Haus ihre Themenschwerpunkte: Dr. rer. nat. Andrea Schwarzfischer referiert zum Thema "Führung auf Augenhöhe in hierarchischen Organisationen", Dr. Günter Dobler erläutert in "Storytelling für Führungskräfte", wie Geschichten Orientierung stiften und die Organisationskultur prägen können.
Blick in die Stuhlreihen beim vierten Führungsgespräch.
Augenhöhe und Hierarchie kein Widerspruch
Für Dr. Andrea Schwarzfischer ist "Führung auf Augenhöhe" der Prozess eines guten Miteinanders. "Immer wenn Menschen in Interaktion sind, entsteht ein `Zwischen´", so die Dozentin. Und dieses Zwischen gelte es zu gestalten. Führungskräfte können es im Sinne von Führen auf Augenhöhe positiv gestalten, wenn sie ihre Mitarbeiter mit Respekt, Achtsamkeit und Wertschätzung behandeln, sich für sie interessieren und auf der persönlichen Ebene eine Ebenbürtigkeit herstellen.
Teilnehmer stehen sich gegenüber und versuchen Handbewegungen zu spiegeln.
Aufgaben auf gemeinsamer Ebene
Das hat ihrer Meinung nach nichts mit Gleichstellung zu tun, weil jeder Mensch Eigenschaften hat, die ihn abheben von anderen. Damit löst sie auch den Widerspruch auf, der zwangsläufig entsteht, wenn man von Führung auf Augenhöhe spricht: Der Begriff "Führung" verweist direkt auf unterschiedliche Rangordnungen, während "auf Augenhöhe" bildlich eine Form von Gleichheit andeutet. Wichtig sei, dass man sich für ein bestimmtes Thema, eine Aufgabe oder ein Ziel auf eine gemeinsame Ebene begebe.
Gemeinsam Vereinbarungen treffen
Wichtig sei aber auch, dass man sich selbst auf der persönlichen Ebene akzeptieren kann nach dem Motto: "Ich bin ok und Du bist ok!" Für Dr. Schwarzfischer ist Führung auf Augenhöhe ein Ideal, für das wir sofort aktiv werden können, indem wir hinschauen, beobachten, Interesse an unserem Gegenüber haben, miteinander über das gleiche Thema sprechen, gemeinsam Vereinbarungen treffen, diese halten und bereit sind, immer wieder neu anzufangen. Dies fördere nicht nur das Miteinander, sondern auch Demokratie und Freiheit.

So gelingt Führung auf Augenhöhe

Ich bin ok, du bist ok!

Aktiv werden.

Hinschauen und Beobachten.

Interesse am Gegenüber zeigen.

Vereinbarungen treffen und einhalten.

Vorherige Nächste
Spiegelübung: Zwei Teilnehmer versuchen die Handbewegungen nachzuahmen.
Auch Behörden brauchen eine identitätsstiftende Mission für eine gute Sache
Dr. phil. Günter Dobler, Forstwirt und Psychologe, knüpft mit der Technik des "Story-Tellings" an das Bedürfnis des Menschen nach Geschichten an: "Der Mensch ist ein Geschichtenerzähler", so sein Ausgangspunkt. In jeder Organisation wird gehandelt, es wird aber auch über diese Handlungen erzählt. Das gibt dem Handeln einen bestimmten Sinn. Erfolgsgeschichten stiften eine positive Identität, schaffen auf der Basis von gemeinsamen Leistungen ein Wir-Gefühl und zeigen, dass man etwas bewirken kann, so Dr. Dobler.
Referent Dobler vor Publikum.
Übungen in Kleingruppen
Er forderte die Behördenleiterinnen und Behördenleiter in einer Übung auf, sich gegenseitig in Kleingruppen Erfolgsgeschichten aus ihrer Organisation zu erzählen. An der lebhaften Beteiligung und der Stimmung wurde spürbar: Solche Geschichten erzeugen ein Gefühl von Zufriedenheit und Stolz. Dr. Dobler bezeichnet das immer gleiche Schema, das derartigen Geschichten zugrunde liegt, als "Heldenreise": Ein Held wehrt eine Bedrohung ab oder rettet ein wertvolles Gut.

So gelingt Story-Telling

Mission des Unternehmens herausfinden

Erfolgsgeschichten sammeln

Über das Handeln sprechen

Wir-Gefühl erzeugen

Heldenreise erzählen

Vorherige Nächste
Mission Heldenreise
Dieser "Kampf" für eine gute Sache zum Wohle der Bevölkerung ist der Rahmen, in dem sich die Behördenleiterinnen und Behördenleiter wiederfinden können. In einer weiteren Übung versuchten sie diesen Rahmen auf die spezifische Mission ihrer jeweiligen Organisation zu übertragen. Diese grundlegende Mission kann Beschäftigten Motivation und Orientierung bieten, weil sie sich als Teil einer sinnvollen Aufgabe verstehen können. Die Rückmeldungen aus dem Publikum zeigten, dass es im Behördenalltag zu kurz kommt, die Mission einer Organisation herauszustellen. Sich dafür Zeit zu nehmen und diesen Ansatz zu vertiefen, nahmen sich einige der anwesenden Behördenleiter vor.
Ingeborg Bauer begrüßt die Teilnehmer des vierten Führungsgesprächs.
Brücke über Ressortgrenzen
Die Staatliche Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist die zentrale Fortbildungseinrichtung für die Beschäftigten im Geschäftsbereich des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie bildet den Berufsnachwuchs aus und entwickelt die Beschäftigten in allen erforderlichen Kompetenzbereichen weiter. Mit der Veranstaltungsreihe "Führungsgespräche" schlägt die FüAk mit Führungsthemen eine Brücke über die Ressortgrenze hinweg zu den Behörden z. B. aus dem Innen- und Finanzressort, der Justiz oder der Finanzverwaltung in Landshut.

Die Dozenten

Dr. Andrea Schwarzfischer

Porträt Dr. Andrea Schwarzfischer
Führung auf Augenhöhe in hierarchischen Organisationen
Dr. rer. nat. Andrea Schwarzfischer bietet als Dozentin im Sachgebiet Führung vorwiegend außerfachliche Fortbildungen an und unterstützt Führungskräfte dabei, sich weiterzuentwickeln. Die Biologin hat eigene Führungserfahrung: Sie leitete mehr als 25 Jahre ein Forschungsteam an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Mit dem Führungsbegriff setzte sie sich in ihrer Masterarbeit an der Hochschule für Philosophie in München intensiv theoretisch auseinander.

Dr. Günter Dobler

Porträt Dr. Günter Dobler
Storytelling für Führungskräfte – wie Geschichten Orientierung stiften und die Organisationskultur prägen
Dr. phil. Günter Dobler studierte an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Forstwirtschaft. Er promovierte an der TU München zum Selbst- und Bildungsverständnis von Waldpädagogen. Dort bearbeitete er das Projekt "Analyse waldrelevanter Diskurse und daraus abgeleitete Kommunikationsempfehlungen" mit dem Ziel herauszufinden, wie Informationen aufzubereiten sind, damit sie gut aufgenommen werden. Seine Erkenntnisse gibt Dr. phil. Günter Dobler als Dozent an der FüAk weiter.

Themen der vergangenen Führungsgespräche

Die Themen der vergangenen Führungsgespräche waren zum Beispiel 2017 "Die Führungskraft als Vorbild" mit Professor Dr. Peter Fischer vom Lehrstuhl für Sozial-, Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Regensburg, im Jahr 2016 "Fair führen" mit Prof. Dr. Günter W. Maier, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Bielefeld und im März 2016 das erste Führungsgespräch zum Thema "Positive Leadership" mit Dr. Ruth Seliger vom Wiener Beratungshaus Trainconsulting.