Führungsakademie lernt Tatarstan kennen

Lenar Shagivaliev mit FüAk-Präsidentin Ingeborg Bauer

Tatarstan ist eine autonome Republik Russlands und Heimat von Lenar Shagivaliev, Doktorand der Agrarwissenschaften an der Universität in Kasan, der Hauptstadt des Landes. Im Sommer 2017 absolvierte er ein zweimonatiges Praktikum im mehr als 2.500 Kilometer entfernten Landshut.

An der Staatlichen Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (FüAk) erweiterte er in der Abteilung Bildung seine Kenntnisse in den Bereichen Pädagogik und Beratung. "Es war die beste Erfahrung für Sprache und viele weitere Kompetenzen“, zog er vor seiner Rückreise Bilanz. Unter anderem habe er an Seminaren zu Führungskompetenz und Beratungsmethodik teilgenommen, aber auch landwirtschaftliche Betriebe besucht.
Mehrheit muslimisch
Begeistert berichtete er von einer internationalen Tagung zur Landjugendarbeit in Herrsching, bei der er unter anderem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt getroffen habe. Lenar Shagivaliev war es ein Anliegen, den Landshuter Kollegen Tatarstan nahezubringen. Dazu hatte er Ende August 2017 zu einem Vortrag eingeladen. Tatarstan liegt im östlichen Teil des europäischen Russlands. Dass das Zusammenleben der Religionen unter den 3,7 Millionen Einwohnern funktioniert, dafür ist Shagivaliev ein gutes Beispiel: Seine Mutter ist russisch-orthodox, der Vater Muslim, wie die Mehrheit der Bevölkerung.
Landwirtschaft in Tatarstan
Über die Landwirtschaft, die mehr als sieben Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat, sagte er: "Betriebe mit 500 bis 1.000 Kühen sind bei uns keine Seltenheit.“ Kritische Stimmen zur Massentierhaltung gebe es kaum. Anders als in Deutschland sei zudem ökologische Landwirtschaft kein Thema. Die 4.700 landwirtschaftlichen Betriebe wirtschafteten konventionell. Hinzu kämen laut Shagivaliev 465.000 Familien, die zum Beispiel zwei Kühe halten und bis zu einen Hektar Land pflegen. "90 Prozent der Schafe des Landes leben auf diesen kleinen Familienbetrieben“, führte er aus. Das Klima sei etwas kälter als hierzulande – ungünstige Bedingung für Silomais. Ansonsten baue man ähnliche Feldfrüchte wie in Deutschland an. Er selbst habe sich auf Linsen spezialisiert.
Besonders eigenständig
Ingeborg Bauer, Präsidentin der FüAk, bedankte sich bei Lenar Shagivaliev für die Ausführungen. Lachend zog sie eine Parallele zu Bayern: "Tatarstan gilt unter den autonomen Republiken Russlands als besonders eigenständig.“
Praktikantenprogramm des Staatsministeriums
Immer wieder absolvieren osteuropäische Studenten oder Doktoranden an der FüAk ein Praktikum. Basis ist das Programm "Internationale Zusammenarbeit Bayern – Russland zur praktischen Ausbildung von Studenten und jungen Spezialisten in Agrarunternehmen" des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Staatsministeriums. Es fördert die Kontakte zwischen Deutschland und Russland, die Völkerverständigung und den Kulturaustausch.