Fachgespräch zwischen FüAk und BBV-Spitze

Führungskräfte im Gespräch mit dem BBV

Die neue Oberpfälzer Bauernverbands-Spitze hat die Führungsakademie zu einem Fachgespräch besucht.

Die bayernweit zuständige Staatliche Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (FüAk) in Landshut ist Dienstleister, Fachaufsicht und Bildungsbetrieb für die Landwirtschaftsverwaltung und tritt auch mit Landwirten direkt in Kontakt. Auf Einladung von FüAk-Präsidentin Ingeborg Bauer haben die neu gewählte Bezirksbäuerin Rita Blümel und der neu gewählte Bezirkspräsident Josef Wutz zusammen mit dem BBV-Geschäftsführer für Niederbayern und der Oberpfalz Direktor Peter Huber mit Abteilungsleitern den Meinungsaustausch gepflegt.
Austausch zu Fachthemen
Bei dem Fachgespräch ging es um für Landwirte relevante Themen wie die Ergebnisse der Cross-Compliance Kontrollen, die Digitalisierung in der Landwirtschaft, den Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern und um die Widerspruchsverfahren gegen Förderbescheide. Breiten Raum nahm die Diskussion zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft ein. Die BBV-Vertreter und die Vertreter der FüAk waren sich einig, dass "schnelles Internet bis zum Acker" die Basis für eine zukunftsfähige Landwirtschaft ist. Noch viele offene Fragen gibt es aber bei der Nutzung der in der digitalen Landwirtschaft erzeugten Daten. Es ist beispielsweise festzulegen, wem diese Daten gehören.
Schnelle und hochwertige Entscheidungen
Wolfgang Angermüller, Abteilungsleiter Förderung an der FüAk, konnte berichten, dass die Zahl der Widersprüche bayernweit in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesunken ist. 2016 lag die Zahl der Widersprüche agrarreformbedingt bei 348 im Vergleich zu 2007 mit 600 und 2015 mit 233 Verfahren. 2016 kamen die meisten Widersprüche aus dem Bereich Direktzahlungen/Zahlungsansprüche, gefolgt von der Ausgleichszulage, dem Kulturlandschaftsprogramm und der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung (EIF). Von den eingegangenen Widersprüchen waren 79 Prozent erfolglos, elf Prozent teilweise erfolgreich und nur zehn Prozent erfolgreich. Die Verfahrensdauer der 2016 entschiedenen Widersprüche ist erstmals seit Jahren deutlich unter zwölf Monate gefallen. Bei den Verwaltungsstreitsachen, 57 Fälle, betrug die Verfahrensdauer im Jahr 2016 nur elf Monate. 70 Prozent blieben erfolglos, 25 Prozent waren teilweise erfolgreich und nur fünf Prozentwaren komplett erfolgreich. Dies spricht für eine hohe Qualität bei den Widerspruchsentscheidungen der FüAk.
Wenig Beanstandungen nach Kontrollen in den Betrieben
Die Führungsakademie überwacht auch die Einhaltung von Umweltstandards, die mit Prämienzahlungen verknüpft sind. Diese sogenannten Cross-Compliance Kontrollen finden jährlich statt. Hier gebe es immer weniger Beanstandungen. Bei den Cross-Compliance Kontrollen in der Oberpfalz kam es nur bei knapp vier Prozent zu Sanktionen. Von diesen ließe sich ein Großteil vermeiden, denn häufig mangelt es nur an der Dokumentation oder an Sorgfalt, so Angermüller. Die fünf häufigsten Verstöße waren fehlende Nährstoffvergleiche, fehlende Nährstoffermittlung beziehungsweise fehlende Richtwerte für N (Stickstoff), Ab- oder Überlaufen des Lagergutes, Jauche wird bei einer ortsfesten Festmistlagerstätte nicht ordnungsgemäß gesammelt und Nährstoffvergleich unvollständig oder unrichtig. Im Bereich Pflanzenschutz waren unvollständige beziehungsweise unrichtige Aufzeichnungen über angewendete PSM (Pflanzenschutzmittel) die größte Beanstandung.
Landwirte investieren und weiten Betriebszweige aus
Im Bereich der EIF konnten in den Jahren 2015 und 2016 im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel und des vorgeschriebenen Auswahlverfahrens rund 69 Prozent der Oberpfälzer Anträge (bayernweit waren es durchschnittlich zwischen 69 und 64 Prozent) bewilligt werden. Kommendes Jahr gibt es zwei Antragstermine für die Landwirte. Für die EIF stehen 56 Millionen Euro Fördermittel und für die Diversifizierung, also die Ausweitung auf neue Betriebszweige, wurden rund sechs Millionen Fördermittel zur Verfügung gestellt.
Bevölkerung für land- und forstwirtschaftliche "Geschichten" begeistern
Abschließend war das Thema "Dialog mit der Gesellschaft" ein Schwerpunkt des Meinungsaustausches. Bezirksbäuerin Rita Blümel merkte an, dass die Ehrenamtlichen bei der Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit manchmal bis an ihre Leistungsgrenzen gefordert seien, es aber auch wünschenswert wäre, noch wirkungsvollere Methoden zur Hand zu haben. Josef Wein, Leiter der Abteilung Bildung, stellte dazu die Verwendung von sogenannten Erzählstrukturen vor. Dieser neue Ansatz für Beratung und Öffentlichkeitsarbeit fußt auf der Erkenntnis, dass Erzählungen, die einem gewissen Muster folgen, gewollte Wirkungen beim Zuhörer auslösen. Erste Erkenntnisse zeigen, dass man damit eine bessere, unvoreingenommenere und nachhaltigere Aufmerksamkeit und ein besseres Verständnis auch für land- und forstwirtschaftliche Belange bei der Bevölkerung erreichen kann.