Zweites Landshuter Führungsgespräch an der Führungsakademie zu "Fair führen"
Erfolgreich mit Gerechtigkeit

Warum fühlen sich Menschen ungerecht behandelt, und wie kann das durch faires Führen verhindert werden? Rund 40 Leiterinnen und Leiter verschiedenster Behörden in Landshut und aus dem Geschäftsbereich des Landwirtschaftsministeriums stellten sich am 3. November 2016 diesen Fragen im zweiten Landshuter Führungsgespräch an der Staatlichen Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Prof. Dr. Günter W. Maier, Arbeits- und Organisationspsychologe von der Universität Bielefeld, erläuterte die Gründe und zeigte auf, wie Führungskräfte Fairness gestalten können.
Referent und OrganisatorenZoombild vorhanden

Landshuter Führungsgespräch

Subjektive Wahrnehmung von Ungerechtigkeit steigt
Verschiedene Studien, so Prof. Maier, zeigten, dass sich immer mehr Menschen ungerecht behandelt fühlen. Laut Untersuchungen der Bertelsmannstiftung habe bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts der Großteil der Befragten die wirtschaftlichen Verhältnisse im Großen und Ganzen als gerecht empfunden. 2013 seien dies nur noch 18 Prozent gewesen. Auch die Fairness-Stiftung bestätige dies in ihrem Fairness-Barometer von 2011: Gegenüber 2009 nahm die gefühlte Fairness der Befragten in den Bereichen Regierung, Unternehmen, Presse & Medien sowie im persönlichen Umfeld ab.
Mangelnde Fairness demotiviert
Fühlten sich Mitarbeiter ungerecht behandelt, so wirke sich dies auf die Quantität und Qualität ihrer Arbeit aus. Auch die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber sinke. Prof. Mayer machte anhand von Studien deutlich, dass Gerechtigkeit zu mehr Engagement führe. Es lohne sich also, Entscheidungen zu treffen, die als gerecht eingestuft werden.
Gerecht verteilen, verfahren und behandeln
Soll ein Vorgang, Verfahren bzw. Verhalten als gerecht wahrgenommen werden, stehen drei Bereiche im Fokus, so der Referent. Zur Verteilungsgerechtigkeit gehöre beispielsweise eine als gerecht empfundene Bezahlung. Sprächen Menschen von Verteilungsgerechtigkeit, so legten sie aber individuell unterschiedliche Prinzipien wie beispielsweise das Leistungs- oder das Gleichheitsprinzip zugrunde.
Bei der Verfahrensgerechtigkeit stehe die Einhaltung von Prinzipien der Fairness im Vordergrund, z. B. ob bestehende Regeln konsequent eingehalten werden, die Entscheidung unvoreingenommen getroffen wird, Korrekturmöglichkeiten bestehen oder über die Grundlage der Entscheidung informiert wird. Entscheidend für den Einzelnen sei es, im Prozess „eine Stimme gehabt zu haben“, also gehört worden zu sein. Vor allem bei Personalauswahl oder Ressourcenzuteilung sei dies entscheidend.
Im Bereich interpersonelle Gerechtigkeit stehe die Kommunikation im Vordergrund. Prof. Mayer nannte hier den sozialen Austausch bei der Entscheidungsfindung und das Informationsverhalten des Entscheiders.
Jeder nimmt Fairness anders wahr
Setze man sich mit diesen drei Fairnessprinzipien als Führungskraft auseinander und finde Lösungen, ließen sich viele Fehler vermeiden. Entscheidend sei aber die Wahrnehmung bei den Betroffenen, die von Person zu Person sehr stark variieren könne. Prof. Maier gab den Teilnehmern konkrete Handlungsempfehlungen mit auf den Weg. Verteilungsgerechtigkeit könne z. B. beeinflusst werden, wenn der Vorgesetzte im Vorfeld Nachfragen zulasse, Antworten gebe und insbesondere bei der Bekanntgabe seine Entscheidung nochmals erläutere. Verfahrensgerechtigkeit stelle sich eher ein, wenn Entscheidungsregeln transparent gemacht und eingehalten würden. Ein Weg zu mehr interpersonaler Gerechtigkeit wäre laut Prof. Maier, Integrität und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern auszudrücken. „Zeitnah informieren und Sachverhalte korrekt darstellen, aber auch zeigen, dass man zugehört hat, sind hier wichtige Instrumente“, so Prof. Mayer. Wer seine Mitarbeiter stärke und Überlastung, Monotonie und Burnout vorbeuge, könne auch mehr gefühlte interpersonale Gerechtigkeit erreichen.
Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg
Über Behörden- und Verwaltungsgrenzen hinweg diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie sie in ihrer Einrichtung Fairness erreichen können. Die Probleme und Erfahrungen, als gerecht wahrgenommen zu werden, zeigten dabei deutliche Parallelen, z. B. bei der Auswahl von Mitarbeitern für die Leistungsprämien oder der Bewertung in den Beurteilungen. In Arbeitsgruppen erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Einflussfaktoren auf die Verteilungs-, Verfahrens- und interpersonalen Gerechtigkeit und hinterlegten Verantwortlichkeiten. Dabei zeigte sich, dass die Basis stets Transparenz und eine gute Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten ist. „Es hilft nur reden, reden, reden“, fasste ein Teilnehmer die Ergebnisse treffend zusammen.
Präsidentin Ingeborg Bauer begrüßt die Teilnehmer

Begrüßung

Publikum

Teilnehmerkreis

Landshuter Führungsgespräch

Workshop

Diskussion unter Teilnehmern

Diskussion

Plenum

Plenum

Teilnehmer erläutert Ergebnisse vor Publikum

Präsentation

Landshuter Führungsgespräch

Präsentation

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