Jahresbericht 2019
Förderung der Bienenhaltung

Honigbienen auf einer Brutwabe Foto: Stefan Berg / LWG

Foto: Stefan Berg / LWG

Imker finden in Bayern eine hervorragende Infrastruktur aus kostenloser Beratung und Wissenstransfer, unabhängiger Forschung und finanzieller Förderung vor. Dank dieser Maßnahmen steigt die Zahl der Imker in Bayern, erfreulicherweise sind darunter auch viele Jugendliche und Frauen.

Die Fördermaßnahmen in Bayern sollen dafür sorgen, dass es Bienen und Imkern bei uns gut geht. Vor dem Hintergrund der Bedeutung der Biene für unsere Ökosysteme generell und die Landwirtschaft im Besonderen fördert Bayern mit sieben eigenen und EU-kofinanzierten Maßnahmen das Halten von Bienen.
Die Zahl der Bienenvölker liegt in Bayern derzeit bei rund 250 000 - mehr als ein Viertel der deutschen Imker und Bienenvölker. In den vergangenen fünf Jahren sind in Bayern 9 000 Imkerinnen und Imker in die Bienenhaltung eingestiegen. Damit ist die Gesamtzahl aller in den bayerischen Imkerlandesverbänden organisierten Mitglieder auf bereits 40 000 Imkerinnen und Imker angewachsen. Rund ein Drittel der neu registrierten Imker sind mittlerweile Frauen. Weniger als ein Prozent der Imker sind Erwerbsimker.
Das Jahr 2019 war in Deutschland mit einem Ertrag von über 23 500 Tonnen ein durchschnittliches Honigjahr. In Bayern konnte der Ertrag aus dem Jahr 2018 nicht erreicht werden. Mit durchschnittlich 22,7 kg/Volk wurden im Jahr 2019 ca. 10 kg/Volk weniger geerntet als im Vorjahr.
Für den Nachwuchs sorgen
In Deutschland sind etwa 2 000 Imker im Alter von unter 18 Jahren registriert. Davon sind über ein Viertel in Bayern beheimatet. Dies ist ein deutlicher Erfolg der gemeinsamen Anstrengungen von Imkervereinen und der finanziellen Unterstützung des Freistaates Bayern zur imkerlichen Nachwuchsgewinnung.
Der ökologische Wert der Honigbiene ist enorm. Nahezu 80% der Kulturpflanzen sind auf die Insektenbestäubung angewiesen. Im Obstanbau übernehmen die Bienen sogar rund 90% der Bestäubung. Allein die Wertschöpfung der Honigbienenbestäubung im Nahrungspflanzenanbau wird mit 1,6 Milliarden Euro auf das bis zu 13-fache des direkten Nutzens (Honig und alle anderen Bienenprodukte zusammen) geschätzt. Auch im Ackerbau steigert Bienenflug den Ertrag, beispielsweise im Raps (Mehrertrag von ca. 10 dt pro ha) und bei Sonnenblumen (Mehrertrag ca. 8 dt pro ha). Viele Wildpflanzen sind zudem auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen, sie sind ein essentielles Element in unserem Ökosystem.
Biene auf einer gelben Blüte
Lebensraum für Insekten schaffen
Der volkswirtschaftliche Nutzwert der Honigbiene liegt in Deutschland bei etwa zwei Milliarden Euro. Damit ist die Biene nach Rindern und Schweinen das drittwichtigste Nutztier. Die Politik hat bereits einiges angestoßen: Mit dem Blühpakt Bayern, der deutschlandweit ersten Wildlebensraumberatung, dem Aktionsprogramm Insektenschutz und unseren einzigartigen Förderprogrammen, die dazu führen, dass bereits heute jeder zweite bayerische Landwirt freiwillig an Agrarumweltmaßnahmen teilnimmt.
Ziel der Förderung der Bienenhaltung in Bayern ist insbesondere die Verbesserung der Erzeugungs- und Vermarktungsbedingungen für Bienenzuchterzeugnisse. Die starke Nachfrage zeigt, dass das Förderangebot in hohem Maße den Bedürfnissen der Imker entspricht. Die enge Abstimmung bei der Ausgestaltung der Fördermaßnahmen mit den Imkerverbänden hat sich seit Jahren bewährt.

Fördermaßnahmen in Bayern

Biene auf einer Storchschnabelblüte
Die Förderung basiert auf der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 und der jeweils gültigen Fassung der Richtlinie zur Förderung der Bienenhaltung, insbesondere zur Verbesserung der Erzeugungs- und Vermarktungsbedingungen für Bienenzuchterzeugnisse, Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Die Europäische Union beteiligt sich mit bis zu 50% an den beihilfefähigen Ausgaben - sogenannte kofinanzierte Maßnahmen. Darüber hinaus können die Mitgliedsstaaten nach bestimmten Vorgaben weitere Maßnahmen anbieten, die ausschließlich mit Landesmitteln finanziert werden (Landesmaßnahmen).
Das Bienen-Team im Kompetenzzentrum für Förderprogramme in Marktredwitz arbeitet mit dem Institut für Bienenkunde und Imkerei der LWG mit seinen Fachberatern und mit ehrenamtlichen Unterstützern zusammen.

Möglichst viele Imker sollen Bienen halten, um die
flächendeckende Bestäubung in Bayern zu gewährleisten.
=> Investive Maßnahmen, Imkern auf Probe, Imkern an Schulen

Bienenvölker sollen gesund, friedlich und leistungsstark sein.
=> Fortbildung der Imker durch Vereine, Standbesuche, Belegstellen

Wer Bienen hält, soll die Bedürfnisse der Bienen kennen.
=> Investive Maßnahmen, Fortbildung der Imker durch Vereine, Öko-Imkern

Das Prinzip der Regionalität soll gestärkt werden (Aus der Region, für die Region).
=> Fortbildung der Imker durch Vereine

Der Nachfrage nach heimischem Bio-Honig soll entsprochen werden.
=> Fortbildung der Imker durch Vereine, Öko-Imker

Das Fördervolumen hat sich seit 2009 fast verdoppelt und lag 2019 erstmals bei über 1,15 Mio. Euro.Zoombild vorhanden

Fördervolumen

Fördervolumen
Das Fördervolumen hat sich seit 2009 fast verdoppelt und lag 2019 erstmals bei über 1,15 Mio. Euro. Hierbei handelt es sich um direkte Zuwendungen an die Imker, die Kosten für die staatliche Fachberatung, für die Analysen und die Forschung sind hier nicht eingerechnet. Im Förderjahr 2017 wurde für die Abwicklung der Förderung ein zweistufiges Verfahren eingeführt, das heißt bereits vor dem Bewilligungszeitraum muss ein Förderantrag und nach Abschluss der jeweiligen Maßnahme ein Zahlungsantrag gestellt werden. 2019 bot Bayern insgesamt sieben Fördermaßnahmen zur Unterstützung der Bienenhaltung an.
Fördervolumen 2019 - tabellarischer Überblick
Fördervolumen 2019 - tabellarischer Überblick
Summe1.151.579,95 €
Investive Maßnahmen377.409,95 €
Fortbildungen215.260,00 €
Bienenbelegstellen78.350,00 €
Standbesuche21.260,00 €
Imkern auf Probe386.900,00 €
Imkern an Schulen37.200,00 €
Öko-Imkern35.200,00 €

Zwei EU-kofinanzierte Maßnahmen:

Investive Maßnahmen der Imker

Am Entdeckelungsgerät wird die dünne Wachsschicht auf den Honigwaben entferntZoombild vorhanden

Entdeckelungsgerät

Honig ist ein naturbelassenes und sehr reines Lebensmittel. Um wirtschaftlich und hygienisch einwandfrei produzieren zu können und um einen hohen Qualitätsstandard zu erreichen, sind hochwertige Geräte zur Honig- und Wachsgewinnung nötig. Mit der Anschaffung moderner Gerätschaften wird zudem häufig eine erhebliche Minderung der körperlichen Belastung und ein Beitrag zur Zeiteinsparung erzielt. Diese Investitionen stellen jedoch eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung dar, insbesondere für Jungimker. Daher unterstützt der Freistaat Bayern die Bienenhalter mit Zuschüssen zur Anschaffung der Geräte zur Honig- und Wachsgewinnung.
In der Honigschleuder wird der Honig aus den Waben geschleudertZoombild vorhanden

Honigschleuder

Das Mindest-Investitionsvolumen beträgt bei erfahrenen Imkern 800 Euro netto, bei Anfängern 400 Euro netto. Die Förderung beträgt bis zu 30 Prozent der förderfähigen Netto-Anschaffungskosten. Im Jahr 2019 wurde 771 Imkern eine Zuwendung für investive Maßnahme ausgezahlt. Dies entspricht einer Zunahme von fast 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr bzw. ca. 46 Prozent gegenüber 2017. Im Durchschnitt wurden fünf Gerätschaften mit ca. 490 Euro gefördert.
Das Fördervolumen war in der investiven Maßnahme im Jahr 2019 mit über 377.000 Euro so hoch wie nie zuvor.
Durch die zusätzlich verfügbaren EU-Mittel aus anderen Bundesländern und deren Kofinanzierung konnte im Jahr 2019, trotz der hohen Nachfrage, mit 30,0% der Nettokosten der maximale Fördersatz (30%) bewilligt werden.
Das Fördervolumen war in der investiven Maßnahme im Jahr 2019 mit über 377.000 Euro so hoch wie nie zuvor.

Fördervolumen

Durch zusätzlich verfügbare EU-Mittel und Kofinanzierung konnte 2019 trotz hoher Nachfrage der maximale Fördersatz bewilligt werden

Förderquote

Zunahme von fast 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr bzw. ca. 46 Prozent gegenüber 2017.

Antragszahlen

Fortbildungen für Imker durch Vereine

Im Jahr 2019 wurden 1.482 Veranstaltungen mit einer Summe von 215.260 Euro gefördert.Zoombild vorhanden

Fördervolumen

Eine wichtige Aufgabe der Imkervereine ist es, den Mitgliedern Fortbildungen anzubieten, die den aktuellen Wissensstand widerspiegeln. Die Nachfrage hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Für entsprechende Schulungen mit qualifizierten Referenten erhalten die Imkervereine einen gestaffelten, teilnehmerorientierten Zuschuss. Im Jahr 2019 wurden 1.482 Veranstaltungen mit einer Summe von 215.260 Euro gefördert. An diesen Veranstaltungen nahmen insgesamt 48.612 Personen teil. Im Durchschnitt erhielten Imkervereine für jede durchgeführte Fortbildung rund 145 Euro.

Fünf nur mit Landesmitteln finanzierte Maßnahmen:

Förderung der Belegstellen

Im Jahr 2019 wurden für die Züchtung von Bienenvölkern rund 78.000 Euro ausgezahlt. Zoombild vorhanden

Belegstellen

Bienenvölker sollen gesund, friedlich und leistungsstark sein. Deswegen unterstützt der Freistaat Bayern staatlich anerkannte Belegstellen bei der Züchtung von Bienenvölkern, die in besonderem Maße diesen Anforderungen entsprechen. Die Belegstellen erhalten für jede angelieferte Bienenkönigin einen Zuschuss von zwei Euro.
Im Jahr 2019 wurden für die Züchtung von Bienenvölkern rund 78.000 Euro ausgezahlt. Die Verdoppelung der Zuwendung von 2017 nach 2018 ist die Folge der Erhöhung des Zuschusses von einem auf zwei Euro je Bienenkönigin.

Standbesuche durch Bienensachverständige (BSV)

 Im Jahr 2019 wurden für Standbesuche durch staatlich anerkannte Bienensachverständige knapp 21.000 Euro ausgezahlt. Zoombild vorhanden

Fördervolumen Standbesuche

Bienensachverständige besuchen die einzelnen Imker vor Ort und unterstützen diese ehrenamtlich bei der Bekämpfung von Bienenkrankheiten. Dafür erhielten die BSV im Jahr 2019 vom Freistaat Bayern einen Zuschuss von 4,00 Euro je betreutem Bienenvolk. Für jeden Standbesuch wurden mindestens 40 Euro und max. 80 Euro bezahlt. Im Jahr 2019 wurden für Standbesuche durch staatlich anerkannte Bienensachverständige knapp 21.000 Euro ausgezahlt.

Imkern auf Probe – Schnupperkurs Imkern

Die Maßnahme "Imkern auf Probe" trägt dazu bei, Menschen für die Bienenhaltung zu begeistern. Mit dem Imkern auf Probe können Interessenten unverbindlich in die Imkerei hineinschnuppern.
Imker zeigt Bienen auf einer vollen Wabe
Voraussetzung ist der Besuch eines Theoriekurses und die eigenständige Betreuung eines Bienenvolkes. Personen, die sich für die Bienenhaltung interessieren, wenden sich an einen Imkerverein und werden Imker auf Probe. Im Laufe der Monate erhalten sie unter fachlicher Anleitung eines erfahrenen Imkers (Pate) Einblick in die theoretischen und praktischen Grundlagen der Imkerei. Nach Ablauf des ersten Jahres kann ein weiteres, förderfähiges Probeimkerjahr absolviert werden. Nach zwei Jahren endet die Probezeit.
Die Anzahl der Probeimker ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 5 Prozent gestiegen.Zoombild vorhanden

Probeimkern

Seit 2008 werden Imkervereine, die das Imkern auf Probe anbieten und damit den Imkernachwuchs fördern, mit 100 Euro je Probeimker gefördert. Die Zahl der Probeimker steigt seit 2008 kontinuierlich an, dabei sind etwa ein Drittel der Teilnehmer Frauen. Die Imkervereine haben 2019 über 3.800 Probeimkern die Bienenhaltung näher gebracht und wurden dabei mit Zuschüssen vom Freistaat Bayern in Höhe von mehr als 380.000 Euro unterstützt. Die Anzahl der Probeimker ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 5 Prozent gestiegen.

Imkern an Schulen - Imkern macht Schule

Schüler und Lehrer am BienenstandZoombild vorhanden

Imkern macht Schule

Auch Imker brauchen Nachwuchs. Deshalb liegt es nahe, bereits Schulkinder an die Bienenhaltung heranzuführen und sie für die Imkerei zu begeistern. Immer mehr Schulen bieten entsprechende Wahlkurse an. Kinder und Jugendliche werden durch die Betreuung eines Bienenvolkes für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und den großen ökologischen Wert der Bienen und Bestäuber sensibilisiert. Die Schülerinnen und Schüler lernen in der Arbeitsgruppe Imkerei alle Arbeiten rund um das Bienenjahr kennen.
Dieses Engagement wird vom Freistaat Bayern mit einem Zuschuss von 300 Euro pro Schuljahr unterstützt. Antragsberechtigt sind alle bayerischen Grund-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien (Unter- und Mittelstufe). Im Jahr 2019 wurden 124 Schulen mit insgesamt 37.200 Euro gefördert.

Öko-Imkern

Damit ein Lebensmittel das Öko-Siegel tragen darf, muss es besondere Qualitäts-Standards erfüllen. Bienenhalter, die ihre Imkerei-Produkte mit dem Öko-Label kennzeichnen dürfen, unterziehen sich regelmäßiger Kontrollen gemäß der EG-Öko-Verordnung VO (EG) Nr.834/2007. Seit 2014 erhalten sie für diesen Mehraufwand einen pauschalen Zuschuss in Höhe von 200 Euro pro Jahr.
2019 wurden 176 Imker mit einer Summe von insgesamt 35.200 Euro unterstützt. Darüber hinaus betreiben zahlreiche Imker ihre Imkerei nach den Regularien der gültigen EG-Öko-Verordnung, erhalten aber bereits im Rahmen des bayerischen Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) eine Förderung für die Öko-Zertifizierung.

Ausblick

Im Gegensatz zu den grundsätzlich seit Jahren steigenden Antragszahlen sind im Jahr 2019 die Antragszahlen bei den Fördermaßnahmen "Öko-Imkern" und "Imkern an Schulen" gesunken. Anhand der bereits eingereichten Förderanträge ist aber davon auszugehen, dass ab dem Jahr 2020 mit einem deutlichen Anstieg von Zuwendungsempfängern, insbesondere bei diesen beiden Maßnahmen, zu rechnen ist. Bei den anderen Maßnahmen gehen wir von stabilen oder leicht steigenden Antragszahlen aus.

Ansprechpartner
Abteilung Kompetenzzentrum Förderprogramme
Sachgebiet K 3 - Produktbeihilfen
Reinhold Kräckl
Tomas Rödel, Ingrid Reichert, Patricia Wolf
E-Mail: komzf@fueak.bayern.de

Quellen

  • Deutscher Imkerbund - Mitgliederstatistik Externer Link
  • Fachzentrum Bienen und Imkerei Rheinland-Pfalz Externer Link
  • Ökonomische Analyse des Imkerei-Sektors in Deutschland: Untersuchung der Universität Hohenheim, Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre, 2017
  • Der praktische Imker: Lehrbuch der rationellen Bienenzucht von C. J. H. Gravenhorst
  • Bestäubungsleistung der Honigbiene, Doktorarbeit, Dipl-Ing. Dr. Stefan Mandl, Universität für Bodenkultur, Wien, 2006
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – PM 15.09.2008

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